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Was aussieht, wie mal eben auf der Tastatur hängengeblieben, ist der Name von Heidelbergs neuestem Gastro-Experiment. ‘Nomad’ trifft ‘Joe Molese’ – zwei Heidelberger Giganten steigen miteinander in die Küche. Ob das gut geht?

„Restaurant Uuuhmami will echte italienische Küche ohne Schnörkel bieten“, titelt die Rhein-Neckar-Zeitung im Dezember 2019. Wenn man sich ansieht, in welche Richtung sich die Heidelberger Gastroszene seit Jahren entwickelt (nächster Halt: Berlin), fällt es mir schwer, das genau so zu glauben. Echt italienisch bedeutet für mich: klein, gemütlich, Karodeckchen auf dem Tisch, Luigi hinterm Tresen und Pizza für unter 10 €. Das verspricht der (sozial)mediale Auftritt des Lokals nun nicht gerade. Ich stelle mich also auf eine Heidelberger Mischung aus Berlin und Rom ein.

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© HeidelMag

ERSTER EINDRUCK

Unsere Premiere im uuuhmami findet an einem Mittwochabend statt. Einrichtung und Ambiente im Industrial Style passen zu der Art von Restaurant, die ich erwarte. Viel Holz und Metall, einigermaßen minimalistisch, einigermaßen hip, dennoch rustikal. Gefällt mir. Ein wenig überrascht bin ich von der Größe der Location – viel größer als erwartet. „Wir nehmen leider kein Bargeld“, erklärt uns die Kellnerin zur Begrüßung. Fair enough, das fasse ich sowieso nicht gerne an.

DIE SPEISEKARTE

Auch der Blick auf die Speisekarte passt ins Bild. Positiv fällt auf, dass neben höherpreisigen Pizzen und Hauptgerichten für 17-45  € (die aber auch mit hochwertigen Zutaten daherkommen) tatsächlich auch günstige Alternativen für 7–13 € angeboten werden. Generell klingt alles gut und ist aus meiner Sicht im Mittel zwar nicht besonders günstig, aber für den Anspruch des Restaurants auch nicht überteuert.

Tipp: Die Speisekarte gibt’s nicht online, sie kann aber bei OpenTable eingesehen werden.

DAS ESSEN

Wir bestellen und müssen nicht lange warten – noch ist es aber auch nicht voll im Lokal (19.15 Uhr). Die Burrata mit Kürbiscreme und Gewürzmandeln ist sehr lecker und mit 8 € ist das Gericht preislich gut verortet. Empfohlen wurde mir außerdem Makrele Limone – 16 € für eine Vorspeise sind mir persönlich an einem gewöhnlichen Mittwochabend dann aber doch etwas zu viel. Vielleicht beim nächsten Besuch.

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© HeidelMag

Die Pizza ist nicht rund, sondern viereckig. Passt wahrscheinlich besser in den Ofen. Auf dem rustikalen Holzbrett liegt rechts daneben – logisch – eine große Bastelschere. What? Ja, richtig gelesen. Sieht erstmal komisch aus. „Aber es kommt ja nicht aufs Werkzeug an“, denke ich und mache mich frohen Mutes ans Werk. Schnipp schnapp, Pizza ab. Ok, das fühlt sich extrem ungewohnt an, macht aber irgendwie doch Spaß. Dass die Scheren blitzsauber sind, versteht sich von selbst.

Meine Pizza Bosco (Thymian-Mascarpone, Rotweinzwiebeln, Culatello-Schinken, Egerlinge, geräucherter Mozzarella, 17 €) schmeckt wirklich ausgesprochen gut. Auch meine italienische Ex-Mitbewohnerin ist zufrieden. „Die beste Pizza, die ich bisher in Heidelberg gegessen habe“, findet sie. Und das sind einige. An ihre Lieblingspizza aus Mannheim kommt uuuhmami ihrer Meinung nach aber nicht ganz heran. Gut finde ich übrigens, dass man ein wenig spart, wenn man dieselbe Pizza für zwei Personen bestellt.

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© HeidelMag

Einer meiner Freunde bestellt Spaghetti al Limone (9,50 €). Bereits vorab wurde mir gesteckt, dass die Pasta hier tatsächlich al dente auf den Tisch kommt. Das muss man mögen. Ich mag es sehr und finde die Portion auch ausreichend. Für den einen oder anderen Herrn möge es etwas wenig sein.

Schwer tue ich mir dagegen mit den Spaghetti Carbonara für 16 €. Via Instagram wurde ich bereits darauf hingewiesen, deshalb schaue ich mir das Gericht genauer an. Auch wenn hier sicher hochwertige Zutaten verwendet werden – ich habe viel Zeit in (gehobenen) Gastroküchen verbracht und weiß, dass gerade die Carbonara für viele Menschen in die Kategorie „schlonziges Comfort Food“ fällt. Also etwas, das man isst, um sich wohl(er) zu fühlen. Menschen verbinden Gefühle mit sinnlichen Erlebnissen und (Kindheits-)Erinnerungen. Manche Gerichte sind deshalb emotional besonders stark besetzt – die Carbonara gehört aus meiner Sicht dazu.

Klar, auch die kann man ein bisschen schicker interpretieren und kalkulatorisch ist der Preis wahrscheinlich vollkommen korrekt. Aber: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Sprich: Der Gast muss das Essen verstehen – und da erscheinen mir 16 € für den „bodenständigen, ehrlichen Anspruch“ des Restaurants an dieser Stelle nicht angemessen. Dann lieber weniger Schischi und mehr Schlonz. 

Was ich wirklich bitter bereue: Nach Vorspeise und Pizza bin ich einfach viel zu satt für ein Dessert. Prinzipiell ist das so gewollt, ich mag es lieber herzhaft. Als ich dann aber spontan Jules von Urbarium an ihrem Tisch besuche und die Torta al Limone sehe (und etwas anderes, das aussieht, wie meine Burrata in süß!), bin ich EXTREM neidisch. Aber leider immer noch satt. Dementsprechend vertage ich den Nachtisch auf meinen nächsten Besuch.

Wer bis jetzt die Überschrift dieses Artikels nicht verstanden hat, dem wird im Folgenden geholfen.

Hinweis: Wer nur gut essen gehen will, kann an dieser Stelle aussteigen – das kann man im „uuu” (wie das Restaurant in Insiderkreisen offensichtlich bereits heißt) zweifelsohne. Die Qualität ist 1 A, vieles ist hausgemacht und das schmeckt man. In dieser Hinsicht wird das uuuhmami dem eigenen Anspruch wirklich gerecht.

Nichtsdestotrotz habe ich (wie fast immer) auch ein bisschen was zu meckern anzumerken ; ):

DIE GETRÄNKEKARTE

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Bild auf der Herrentoilette – © HeidelMag

Schon einmal so richtig Durst auf 0,25 l Pils gehabt? Eben. Das will kein Mensch. Leider findet sich im uuuhmami keine andere Pils-Größe auf der Karte. Weizen dagegen gibt es in verschiedenen Größen, ein großes (0,5 l) für 4,50 €. Das ist in Ordnung. 0,25 l Warsteiner für 3 € sind es nicht. Eine Google-Suche verrät, dass die 0,25 l-Flaschen von Warsteiner als Szene-Gastrogrößen eingeführt wurden. Und zwar für zwei verschiedene Pils-Sorten. Sinn der Sache ist wohl, beide zu probieren (dann hat man ein Großes für 6 €) bzw. sogar Tastings durchzuführen. Das KANN man machen. Dann sollte man das aber kommunizieren und Gästen, die einfach nur entspannt ein Pils zum Essen trinken möchten, eine vernünftige Alternative anbieten. Vor allem, wenn es nicht bei einem Getränk bleiben soll, empfiehlt es sich eher nicht, schon zu Beginn des Abends mit szenigen Albernheiten für Kopfschütteln zu sorgen.

Zur Info: Auch hier handelt es sich nicht um meine alleinige Meinung, ich wurde vorab sowie nach meinem Besuch mehrfach über Instagram darauf hingewiesen.

Zum Wein: Ich bestelle ein Glas Primitivo für 6,50 €. Den günstigsten Rotwein gibt es für 5 €, das ist gut. Ansonsten ist die Weinkarte preislich nach oben hin offen – das ist in Ordnung (auch wenn sich mir nicht erschließt, warum man in einem ehrlichen, bodenständigen Lokal Champagner für 300 € auf der Karte haben muss, aber nun gut).

ABER: Der günstigste Weißwein auf der Karte liegt bei 6,50 €. Das wiederum wirkt recht happig, wenn Rotwein ab 5 € angeboten wird – schon alleine, weil es ein ungewohntes Bild ist, den Weißen teurer zu sehen. Meine Freundin fragt nach einer kleinen Weißweinschorle (0,2 l) – die steht nicht auf der Karte, kostet nach Angaben der Kellnerin aber 6 €.

Das ist nicht nur unverhältnismäßig teuer, sondern verkaufspsychologisch unklug: Studien zufolge setzt der Mensch gedankliche Preisgrenzen bei runden Beträgen. Gerade bei Preisen unter 10 € macht es deshalb aus Sicht des Gastes einen großen Unterschied, ob ein Getränk 5,90 € oder 6 € kostet. Andererseits macht es für das Gehirn offenbar fast keinen Unterschied, ob hinter dem Komma eine 50 oder eine 90 steht. So kann man verlorenen Umsatz an anderer Stelle geschickt wieder reinholen.

Dass die Weißweinschorle offiziell nicht auf der Karte steht, entschärft die Sache ein wenig. Dennoch wird sie in südwestlichen Gefilden nun einmal gerne bestellt. Da es in diesem Fall als Gastronom nicht möglich ist zu sagen „Haben wir nicht” (das akzeptiert kein Gast),  sollte man aus meiner Sicht ein vernünftiges Angebot machen können. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen (und vor allem Autofahrer) gerne weniger oder gar keinen Alkohol trinken.

Liebe Gastronomen: Natürlich dürft ihr selbst entscheiden, was ihr wie anbietet. Aber wenn ihr generell ein höheres Preisniveau bei Weinen habt – nehmt für solche Zwecke doch einfach einen ordentlichen günstigen Grauburgunder und bietet die kleine Schorle für 4,90 € an. Je nachdem, wie viel Wasser man reingibt, ist das zwar immer noch ein stolzer Preis (!), aber vertretbar. Dann trinkt man am Ende nämlich doch zwei oder drei davon. Meine Freundin bleibt an diesem Abend jedenfalls bei Limo.

Meinen How-To-Artikel zur Pfälzer Weinschorle findet ihr übrigens hier!

Damit komme ich zu den Soft Drinks: Einer meiner Freunde trinkt am liebsten zuckerfreie Cola und davon möglichst viel. Im uuuhmami muss er an einem 0,2 l-Fläschchen nuckeln, eine größere Alternative gibt es nicht. Liebe uuuhmamis, seht es mir nach – kein erwachsener Mensch bestellt zum Abendessen im Restaurant freiwillig ein Getränk in dieser Größe. Klar, wer Durst hat, nimmt (notgedrungen) noch eins. Ein gutes Gefühlt gibt das dem Gast aber nicht. Resultat auch hier: Gast fühlt sich nicht ernst genommen und zieht die Spendierhosen aus. Verkaufen geht anders.

Etwas Positives habe ich aber auch zu sagen: Die Weine auf der Karte klingen sehr gut, mein Primitivo schmeckt mir und das rustikal-stabile Weinglas liegt schön in der Hand. Auch die Grapefruit/Salbei-Limonade, für die sich meine Freundin letztendlich entscheidet, ist lecker und preislich im Rahmen.

FAZIT

Das Essen und die Location habe ich ja schon gelobt, die fehlenden Karodeckchen verzeihe ich. Generell ist das uuuhmami aus meiner Sicht eine schöne Ergänzung für die Heidelberger Gastrolandschaft. Meine hoffentlich konstruktive Kritik dient in erster Linie dazu, Anregungen zu liefern, wie man das Restaurantkonzept, das aus meiner Sicht durchaus zeitgemäß und sympathisch ist, eventuell noch ein bisschen runder machen kann. Sicher ist es verführerisch, unter dem Szenemäntelchen ein paar Euro mehr herauszuschlagen – als Gastronom muss ich aber hinterfragen, an welcher Stelle ich die Grenze überschreite, an der ich beim Gast auf Unverständnis stoße und ihn im schlimmsten Fall sogar (unbewusst) verärgere.

Mich sieht man im uuuhmami sicher bald wieder – die Torta al Limone steht ja noch aus und die Pizza Bosco habe ich auch nicht zum letzten Mal gegessen. Ich würde mich aber monstermäßig freuen, wenn ich dann meine heißgeliebte Weinschorle bekäme, ohne danach Herrn Zwegat anrufen zu müssen.

Infos:
uuuhmami | So–Mi 11.30–23 Uhr, Do–Sa 11.30–1 Uhr | Alte Eppelheimer Str. 50, 69115 Heidelberg | 06221 7254796 | Reservierung über OpenTable | Instagram: @uuuhmami | Facebook: @uuuhmami


Hinweis in eigener Sache: Normalerweise schreibe ich für derartige Überlegungen Rechnungen ; ). Wenn du Interesse an einer Beratung zum Thema psychologische Verortung von Speisen, Gestaltung von Speisekarten und Verkaufen am Point of Sale in der Gastronomie/Hotellerie hast, kannst du gerne hier anfragen.

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4 Comments
  1. Richtig, richtig toll geschrieben! Ich war auch schon da und bin hin- und hergerissen. Das Essen hat mich absolut begeistert. Unerwartet, aber absolut köstlich. Dafür ein ganz dickes Lob. Wie Du hatte ich die Burrata als Vorspeise und die absolut köstlichen (veganen) Spaghetti Limone als Hauptspeise. Waaaaahnsinnig lecker!
    Was mich tatsächlich wenig begeistert hat, war der Mini-Bistrotisch, an dem wir platziert wurden. Der gehört für mich eher in ein französisches Bistro, groß genug für 2 Milchkaffee mit Croissant, aber für 2 Personen zum ausgiebigen Schlemmen einfach viel zu klein.
    Auch finde ich es eher ungemütlich – nenn mich old fashioned – wenn ich mein Gegenüber anschreien muss, um die Musik zu übertönen.
    Wir kommen wohl erst im Sommer wieder, wenn die Terrasse offen ist, die dann hoffentlich unbeschallt bleibt.
    Liebe Grüße,
    Marion

    1. Vielen Dank für deinen tollen Kommentar, liebe Marion! Ja, die Tische sind nicht besonders groß – allerdings wurde uns ein größerer Tisch zugewiesen, als ich meinte, das evtl. noch jemand kommt. Da wurde dann schon mitgedacht. Aber war trotzdem recht eng. Liebe Grüße!

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